| Ein Hund muss her... | |
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Einen Hund ganz und gar für Dich zu haben, war schon immer Dein
größter Wunsch? Sicherlich hast Du Dir längst eine klare
Vorstellung von Deinem zukünftigen besten Freund gebildet, der Dein
Leben mit Dir teilen soll. Stets an Deiner Seite und in Treue ergeben.
Kein Hund der Welt ist imstande, diese Erwartungen zu erfüllen, und, was erheblich wichtiger ist, verspürt das geringste Interesse, Deinen Vorstellungen im Ansatz freiwillig nachzukommen! "Vor der Anschaffung eines Hundes soll man gründlich erwägen, wieviel man seinen Nerven zutrauen will," schrieb Konrad Lorenz (1903-1989) in seinem 1965 erstmals publiziertem Buch "So kam der Mensch auf den Hund", das, so verheißt es dessen besprechende Rückseite, "von der Lebens- und Interessengemeinschaft von Mensch und Tier" erzählt und schlicht jedem zu empfehlen ist, der sich mit der Entwicklungsgeschichte und den Verhaltensformen seines wedelnden Wunschtieres intensiver und auf unterhaltsame Weise auseinandersetzen möchte. Zunächst einmal, so lernen wir, lange bevor Du Dich auf die Suche nach dem mit Deiner Einrichtung farblich harmonierenden Hundekissen begibst, solltest Du Dich mit Dir selbst befassen, Dich ernsthaft auseinandersetzen, wer Du bist, wieviel Du zu akzeptieren bereit bist, in welchen Maße konsequent wie fähig, einem Hund das Leittier zu sein, das er benötigt. Denn ganz sicher sind auch dem Hund die Idealvorstellungen von den zukünftigen Besitzern nicht fremd. Nicht zu jung sollten sie sein, aber auch nicht zu alt. Verspielt und vor allem bewegungsfreudig, aber auch dem Lümmeln vor einem warmen Kaminfeuer nicht abgeneigt. Nicht zu lange von Zuhause weg...und so weiter und so fort. Auch ansonsten lautet die Goldene Regel zum Hundekauf: Bevor Du ins kalte Wasser bzw. jahrelange Hundespaziergänge bei Regen, Schnee und Temperaturen weit unter Null zu springen gedenkst, informiere Dich gründlich! Als entsprechende Unterstützung existieren neben hundebezogener Belletristik und Fachliteratur zahllose Ratgeber auf diesem Gebiet, hier wiederum sehr empfehlenswert die Bücher von Gräfe und Unzer, dem in München ansässigen GU-Verlag. Nahezu jedes dieser Werke beginnt mit den handelsüblichen zehn Fragen vor dem Hundekauf, die im folgenden etwas umfangreicher und somit für den "Noch-nicht-aber-sicherlich-bald"-Hundebesitzer so anschaulich als möglich aufbereitet werden. 1. Bis zu 20 Jahren, im Durchschnitt zwischen 10-15, kann ein Hund erreichen.
Daraus folgen durchschnittlich 15 2. Das Rudeltier Hund erwartet und benötigt eine konsequente Erziehung,
die mit dem ersten Tag Eures Zusammenlebens zu beginnen hat. So süß
und niedlich er auch sein mag, unter dem weichen Fell verbirgt sich kein
Kuscheltier, sondern ein in Rangfolgen "denkendes" Wesen mit
mehr oder minder gutentwickelter Muskulatur und überaus intaktem
Beißwerkzeug. Wird die Erziehung vernachlässigt, ist über
kurz oder lang der Hund der Herr im Haus und Du findest Dich am Schlusspunkt
der Rangfolge wieder. Nicht auszurechnen, was dann am Ende Deiner Leine
hängen könnte - durchaus, damit ist zu rechnen, eine vierbeinige,
bissige, nicht in den Griff zu bekommende Gefahr für Deine Umwelt.
Bist Du in der Lage, einen Hund wenigstens die Grundlagen der Erziehung wie "Sitz!", "Platz!", "Fuß!", "Bleib! und "Aus" zu vermitteln und im Falle, dass der Hund eine von Dir allein nicht zu überwindende Renitenz entwickelt, mit ihm regelmäßig zur Hundeschule des Tierheims oder auf den Übungsplatz des nächsten Vereins zu gehen? 3. Die Platzfrage. Meiner Erfahrung nach fühlt sich ein Hund dort
am wohlsten, wo Herrchen und Frauchen sind. Ist dieser Ort nun eine Einzimmer-Wohnung,
genügt dem Hund das solange, wie er ausreichend Auslauf erhält.
Für gewöhnlich gehört ein Hund zur Sicherheit aller an
die Leine, sollte aber pro Tag mindestens eine Stunde Freilauf erhalten.
Befinden sich also schnell erreichbar Park, Wald oder vergleichbare Gebiete
in der Nähe, innerhalb derer der Hund sich austoben kann? Es ist
damit zu rechnen, dass ein Tier, dem diese Möglichkeiten nicht gegeben
sind, entweder faul, fett und somit krank wird - oder aggressiv und eventuell
bissig gegen andere, kurz: die lieben Neurosen ziehen in Euer beider Leben
ein. Also: Verfügst Du erstens über angemessenen Raum für Euer beider Bedürfnisse und kannst zweitens ohne mühselige, zeitraubende Anfahrtswege Deinem Hund möglichst täglich artgerechten Auslauf garantieren? 4. Pro Tag sollte das Rudeltier Hund nicht länger als vier bis sechs
Stunden alleine verbringen. Kannst Du das mit Deinem Leben in Einklang
bringen? Ist es möglich, ihn mit an den Arbeitsplatz zu nehmen? Universitäten
sehen Hunde nicht allzu gerne in ihren Räumlichkeiten, auch wenn
man, das weiß ich aus Erfahrung, sich hauptsächlich gut mit
dem Leitenden Hausmeister stellen muss, damit der Kleine aus- und eingehen
darf, DozentInnen sehen die Dinge erheblich gelassener... 5. Thema: Vermieter. 6. Einen Hund zu halten, ist keinesfalls ein billiges Vergnügen!
Zur Anschauung: unser kleiner (13 Kilo schwerer), unkomplizierter, noch
sehr gesunder, 11jähriger Mischlingshund kostet uns pro Jahr an generellen
Kosten grob geschätzt: Das mag auf den ersten Blick wenig erscheinen, was aber, wenn die finanzielle Situation sich beispielsweise durch Entlassung plötzlich ändert? Am Hund einzusparen, ist schwierig. 7. Wer kümmert sich um das Tier, wenn Du erkrankst? Dabei kann es
sich um durchaus lange Zeiträume handeln, innerhalb derer Du im Krankenhaus
weilst. Kennst Du jemanden, dem Du Dein Tier besten Gewissens anvertrauen
kannst? Nicht nur einmal...auch beim nächsten Mal noch, damit dem
Tier der Stress unentwegter Umstellung erspart oder zumindest verringert
werden kann? 8. Diesmal kurz und bündig: Reagiert jemand aus der Familie allergisch auf Tier-, speziell auf Hundehaare oder ist Asthmatiker? Im Vorfeld sollten diese Fragen medizinisch beim Hautarzt unbedingt abgeklärt werden, die Kosten trägt in der Regel die Krankenkasse. 9. Möchte jedes Mitglied der Familie einen Hund im Haushalt? Eine
Frage, die sich weitestgehend an die Kinder richtet! Ist dem nicht so,
sind die Konflikte vorprogrammiert. Und, bitte, Kinder, sagt nicht: "Ich
geh' schon immer mit ihm Gassi." Glaubt mir, das tut Ihr nämlich
nicht. Irgendwann kommt die Zeit, wo anderes interessanter und wichtiger
ist, Urlaub mit Freunden, Kino, zeitraubende Hobbies, regelmäßiger
Sport. Dann nämlich bleibt es an den Eltern, voraussichtlich der
Frau Mama, sich um den Hund zu kümmern. Jeder aus Eurer Familie muss
den Hund wollen, ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit, das er sich eines
schönen Tages, wenn er unbequem geworden ist, eventuell auf dem nächsten
Autobahn-Rastplatz wiederfindet, nicht eben niedrig. 10. Du hast bis zu diesem Punkt durchgehalten und jede Frage zugunsten
der Hundeanschaffung beantworten können? Schön, denn einen Hund
um sich herum zu haben, ist ein wunderschönes Erlebnis. Es ist spannend,
ihn aufwachsen zu sehen, den Verlauf seiner Persönlichkeitsentwicklung
mitzuerleben. Doch: Hunde sind loyale, anhängliche Vierbeiner, die
Dich brauchen, lebenslange Kinder, die nicht, kaum volljährig, mit
fliegenden Fahnen das Haus verlassen um auf eigenen Füßen zu
stehen. Vielmehr klebt so ein Hund im wahrsten Sinne des Wortes sein Leben
lang an Deinen Fersen. Er tröstet, wenn Du traurig bist, er leidet
mit, wenn Du krank bist, er ist glücklich, wenn Du Dich freust. Ein
Hund will alles mit Dir teilen - inklusive des Bettes...und Deine Aufgabe
ist es, über all die Zeit in ebensolchem Maße für ihn
da zu sein und fair wie verantwortlich zu entscheiden, was er mit Dir
teilen DARF. Deswegen lautet die zehnte Frage: Schreist Du, nach diesem langen Sermon, immer noch ein standhaftes "JA!" in die Lande, bist Du nun an dem Punkt angelangt, Dir zu überlegen, was für ein Hund Dein Hund werden soll. Die Auswahl ist nämlich groß! Zu groß, um sie hier zu behandeln. Hier ein paar Richtlinien: Möchtest Du auf jeden Fall einen bestimmten Rassehund erwerben, so informiere Dich gründlich in einem guten(!) Rasseführer, mit welchen Eigenheiten Dein Tier voraussichtlich aufwarten wird. Dabei solltest Du Dir das schöne Sprichwort: "Die genaueste Vorstellung von der Machtlosigkeit des Menschen haben sicherlich Gott und der Dackel." wirklich zu Herzen nehmen, denn dass Du eine bestimmte Rasse liebst,
bedeutet leider noch lange nicht, dass einer ihrer Vertreter auch der
richtige Gefährte für Dich ist. Collies sind zu intelligent,
um nur ohne konkrete Aufgabe im Garten herumzuliegen, ein Yorkshire-Terrier
ist kein Couchtier, sondern ehemals zur Rattenjagd gezüchtet und
möchte als Bewegungshund ernst genommen, anstatt mit Schleifchen
verziert werden, ein Bobtail sieht wunderschön aus, benötigt
aber mehr Pflege, als Du Dir erst einmal vorstellen kannst und bellt zudem
mit enervierend hoher Stimme. Soll es ein Mischling, den Du von seinen genetischen (charakterlichen)
Bedingungen her kaum einschätzen kannst, d.h. die Überraschung
wird groß, aus privater Hand sein, genügt ein Blick in die
nächste Zeitung. Möchtest Du hingegen ein Tier aus dem Tierheim befreien, wird es ein wenig schwieriger, Dir klare Ratschläge zu geben, da Du in den meisten Fällen keinen Einblick in seine vorhergegangenen Lebensbedingungen erhalten kannst, sprich: Du kannst nicht ahnen, ob das Tier aufgrund von Misshandlungen beispielsweise bissig oder überängstlich ist. Das Pflegepersonal fertigt kleine Listen zum Tier an, die die vermutete Rasse, das ungefähre Alter, eventuelle Angaben des Vorbesitzers und den Zeitpunkt der Aufnahme im Tierheim enthalten. Im besten Fall können sie Dir Angaben zu seinem Charakter machen. Ein aus dem Tierheim entlassener Hund wurde dort noch einmal abschließend veterinärmedizinisch versorgt - was nicht bedeutet, dass Du in naher Zukunft keine krankheitsbedingten Probleme zu erwarten hast. Durchfall aufgrund des Stresses durch die plötzliche Umstellung ist auf jeden Fall zu erwarten, sinnvoll ist es, mit Deinem neuen Tier sobald als möglich einen Tierarzt aufzusuchen, der Dir von anderen Tierhaltern im Vorfeld empfohlen wurde.
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zuletzt geändert 27.8.2001
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